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  • AutorenbildMichael Mutter

Risiko Vollgesichts-Schnorchelmaske?

Vollgesichts-Schnorchelmasken (FFSM/full face snorkel mask) erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, vor allem bei ungeübten «Schnorcheltouristen», weil sie Sicherheit und Komfort versprechen. («Goodbye water in your snorkel, goodbye difficult breathing!» preist sie ein Schweizer online-shop an.) Sie stellen zwar eine einfachere Alternative zur traditionellen Kombination aus Maske und Schnorchel dar, es bestehen jedoch Bedenken hinsichtlich des Risikos einer CO2-Rückatmung aus der Ausatemluft. Mehrere Schnorchelunfälle, darunter auch tödliche, die mit der Verwendung von FFSM in Verbindung gebracht werden, sind publiziert, und eine potenzielle CO2-Akkumulation in der Maske ist ein möglicher Faktor für diese tödlichen Zwischenfällle.


Tauchen im Walensee. Bildvorlage: Karin Aggeler

Funktionsweise einer FFSM


Quelle: ebay

Bei einer FFSM wird das Mund-Nasen-(oronasale)-Kompartiment, wie bei Full-Face-Masken für Taucher oder in Tauchhelmen, gegenüber dem Rest des Gesichtes abgedichtet, um den Totraum zu begrenzen. (Als Totraum wird der Teil des Atemtraktes bezeichnet, der nicht am Gasaustausch teilnimmt.) Beim Atmen durch eine FFSM wird die eingeatmete Luft durch den Schnorchel, durch die Augentasche und dann durch Einwegventile in das oronasale Kompartiment gesaugt. Beim Ausatmen wird die Luft durch ein weiteres Einwegventil geleitet und über einen separaten Ausatmungskanal durch den Schnorchel nach oben ausgestoßen.

Wenn die Maske wie vorgesehen funktioniert, fliesst der Luftstrom nur in eine Richtung, ohne dass es zu einer Vermischung von ein- und ausgeatmeter Luft kommt.



Problem der CO2-Rückatmung

Ein normaler Schnorchel hat einen Totraum von etwa 160 ml. Der anatomische Totraum besteht aus Luftröhre und Bronchien und beträgt beim Erwachsenen ca. 150 ml. Der Totraum im oronasalen Kompartiment einer FFSM beträgt etwa 250 ml, kann aber je nach Maskenmarke bis auf über 1400 ml ansteigen, wenn die Dichtungen oder Ventile nicht richtig funktionieren. Weil die eingeatmete Luft einen Totraum, der den anatomischen stark vergrössert, nicht mehr genügend zu belüften vermag, besteht in dieser Situation die Gefahr einer Rückatmung der Ausatemluft, was zu Hyperkapnie (CO2-Überschuss) oder Hypoxie (Sauerstoffmangel) führen kann. Hyperkapnie kann Schwindel, Kurzatmigkeit, Kopfschmerzen und Bewusstlosigkeit auslösen, während Hypoxie Verwirrung und schließlich Bewusstlosigkeit verursachen kann.


Vergleich mit konventioneller Schnorchelausrüstung

Eine aktuelle Studie untersuchte, wie sich das Tragen einer FFSM im Vergleich zur konventionellen Schnorchelausrüstung in Ruhe sowie bei leichter und moderater Anstrengung auswirkte. Dabei kam es unter Belastung unter Verwendung einer FFSM ca. doppelt so häufig (40-45% vs. 20%) zu einem Anstieg des CO2 in der Ausatemluft auf ein medizinisch relevantes Niveau (>7 kPa) wie mit einem konventionellen Schnorchel. Knapp die Hälfte der Teilnehmer zeigte unter der FFSM einen Abfall der Sauerstoffsättigung auf unter 95%, ein Viertel sogar auf unter 90% (mit konventionellem Schnorchel nur 25% resp. 5%). Die CO2- und O2-Partialdrucke im oronasalen Kompartiment waren bei allen FFSM höher (CO2) resp. tiefer (O2) als in der Einatemluft, was beweist, dass es in einer FFSM zu Rückatmung von CO2 kommt.


Unter FFSM kommt es häufig zu CO2-Rückatmung

Diese Befunde sind bemerkenswert, v.a. wenn man bedenkt, dass die Studie an Land durchgeführt wurde und die Atemarbeit im Wasser, auch wenn nur geschnorchelt wird, noch zunimmt und somit im «real world setting» sicher keine günstigeren Werte zu erwarten sind. Aber auch mit einem normalen Schnorchel kann es zu Hyperkapnie und peripherem Sauerstoffmangel kommen, wie diese Studie eindrücklich zeigt. Auch dies sei nicht vergessen.


Hält man sich die in der Studie berichteten, potenziellen Toraumvergrösserungen dieser Masken vor Augen, ist es schon fast ein Hohn, dass sie oft von Ungeübten verwendet werden in der Annahme, dass sie sicherer sind als eine konventionelle Schnorchelausrüstung.


Fazit

FFSM gleich die Existenzberechtigung abzusprechen, dürfte zu weit führen. Aber wer eine FFSM benutzt tut gut daran, sicherzustellen, dass das oronasale Kompartiment dicht abschliesst und die Einwegventile einwandfrei funktionieren. Dies gilt vor allem für Personen mit geringem Lungenvolumen, insbesondere für Kinder, da sie des kleinen Atemzugvolumens wegen besonders gefährdet sind für eine ungenügende Durchlüftung einer FFSM mit undichtem oronasalem Kompartiment.

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