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  • AutorenbildMichael Mutter

Das wichtigste Tauchpaper 2023

... oder der letzten Jahre überhaupt wurde schon vor der Publikation in diesem Blog besprochen. Hier noch einmal die Details.



Bildvorlage: Karin Aggeler

Venöse Gasembolien (VGE) werden in Studien über Dekompressionsverfahren häufig als Surrogatmarker (Ersatzendpunkte) für die Dekompressionskrankheit (DCS) verwendet. Die VGE-Spitzenwerte nach wiederholten identischen Tauchgängen variieren stark, aber es ist wenig darüber bekannt, wie groß der Anteil der Variabilität der VGE-Werte zwischen verschiedenen Tauchern und beim gleichen Taucher ist.


Methode

Doolette analysierte aus einem Register des NEDU (Navy experimental diving unit) 834 Tauchgänge mit sechs Tauchprofilen, welche unter kontrollierten Laborbedingungen durchgeführt wurden. Bei allen wurden nach dem Tauchgang VGE-Messungen mittels Ultraschall vorgenommen. Unter diesen Daten befanden sich 151 Taucher, die das gleiche Profil bei zwei bis neun Gelegenheiten im Abstand von mindestens einer Woche wiederholt tauchten (insgesamt 693 Tauchgänge). Die Daten wurden auf die Variabilität der VGE-Spitzenwerte nach dem Tauchgang ausgewertet.


Resultate

Die meisten Taucher wiesen nach wiederholten Tauchgängen mit demselben (!) Tauchprofil eine große Bandbreite an VGE-Werten mit einer sehr grossen Streubreite auf (Abbildung 1). Liessen sich an einem Tag keine oder nur sehr wenige VGE nachweisen, traten nach einem identischen Tauchgang beim gleichen Taucher an einem anderen Tag sehr viele VGE auf und umgekehrt. Es zeigte sich nur eine sehr schwache Korrelation des VGE-Ausmasses mit dem Auftreten eines DCS.


Screenshot: rebreather forum 4. David Doolette, Advances In Decompression Theory And Practice

Abbildung 1: Auftreten von Blasen beim individuellen Taucher. Jede senkrechte Linie repräsentiert mehrere, identische Tauchgänge desselben Tauchers. Jeder Punkt zeigt das Ausmass der VGE nach dem Tauchgang (VGE Grade: 0=keine Blasen, 4=massive Blasenbildung). Rote Punkte=DCS. Links eher kurze, flache Tauchgänge; rechts eher tiefe, lange Tauchgänge (Pressluft). Die Variabilität ist sehr gross. Es treten fast keine DCS auf.


Schlussfolgerung

Die Resultate sind deshalb so wichtig, weil sie durch ihre sehr grosse, intraindividuelle Schwankungsbreite beeindrucken und dazu bislang keine vergleichbaren Daten verfügbar waren. Offenbar neigt man am einen Tag zu viel, an einem anderen Tag zu wenig venösen Gasblasen. Die gute Nachricht ist, dass das Risiko für ein DCS auch bei vielen VGE klein ist. Wenn ein DCS auftritt, dann allerdings bei vielen Blasen. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich so zu verhalten, dass nur wenig Blasen auftreten.


Grosse Fragezeichen bezüglich der individuellen Anfälligkeit.

Neben der fortwährenden Suche nach Strategien, wie die Blasenbildung nach einem Tauchgang minimiert werden kann, ist es für die Forschung besonders wichtig, die noch unbekannten Faktoren zu identifizieren und möglichst zu beeinflussen, welche für die grossen Schwankungen der VGE verantwortlich sind.

Die Gründe für die Varibilität sind sicher komplex. Die meisten Gasblasen werden in den Lungenkapillaren herausgefiltert, womit die Diskrepanz zwischen VGE und DCS zum Teil erklärt ist. Wie Doolette am rebreather forum 4 darlegte, dürften aber auch IPAVA (Intrapulmonale arteriovenöse Shunts) an dieser Varianz beteiligt sein. Unter welchen Umständen sie Gasblasen an der Lunge vorbei direkt in die arterielle Zirkulation leiten, ist aber noch schlecht verstanden.


"For an individual, measuring VGE ist not a useful tool."- David Doolette, Rebreather Forum 4

Fraglicher Nutzen zum Selbstnachweis von VGE

Auf jeden Fall lassen diese Resultate erhebliche Zweifel am Nutzen kommerziell erhältlicher Tools zum Blasen-Nachweis aufkommen (bspw. O-Dive). Allerdings darf wohl festgehalten werden, dass man an seiner Tauchstrategie etwas ändern sollte, wenn man nach Tauchgängen immer eine hohe VGE-Belastung feststellt.

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