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  • AutorenbildMichael Mutter

Heuschnupfen und Tauchen

Heuschnupfen ist eine der häufigsten allergischen Erkrankungen. In der Schweiz sind je nach Literaturangabe bis zu 25 % der Bevölkerung betroffen und somit auch viele Tauchende.


Walensee. Bildvorlage: Karin Aggeler

Die Ursache von Heuschnupfen liegt darin, dass das Immunsystem fälschlicherweise auf harmlose Pollen reagiert und spezifische Abwehrstoffe produziert, die bei erneutem Kontakt mit Pollen Entzündungshormone (z.B. Histamin) freisetzen. Diese führen innerhalb von Minuten oder Sekunden zu den typischen Symptomen wie geschwollener Nasenschleimhaut, laufender Nase, Bindehautentzündungen (Konjunktivitis) der Augen etc.


Heuschnupfen kann ganzjährig auftreten.

Heuschnupfen tritt meist saisonal auf. Aber da einige Pflanzenarten das ganze Jahr oder mehrmals im Jahr blühen, kann er sich auch ganzjährig manifestieren. Zudem lösen viele weitere Allergene Heuschnupfen aus, weswegen er nicht zwingend an eine Jahreszeit gebunden ist. Auch Kreuzallergien gegen bestimmte Lebensmittel kommen vor, da sich die Eiweißstrukturen von Pollen und gewissen Nahrungsmitteln ähneln.


Saisonale Auslöser sind z.B.

  • Weide, Erle (Januar bis März)

  • Birke (April bis Mai)

  • Gräser (Juni bis August)

  • Beifuß und Wegerich (August bis September)


Beispiele ganzjähriger (perennialer) Auslöser:

  • Hausstaubmilben

  • Schimmelpilzsporen (in feuchten Umgebungen)

  • Tierallergene (Katze, Pferd etc.)

  • Nahrungsmittel (z.B. Birken-Kiwi-Sellerie-Kreuzallergie)

  • Berufsbedingte Allergene (z.B. Mehl bei Bäckern)

Entscheidend: Auslöser kennen.

Die Diagnose kann meist anhand der Symptome und der Krankengeschichte gestellt werden. Wichtig ist, die auslösenden Allergene zu erkennen.  Dazu dienen verschiedene Hauttests (z.B. Prick) und Antikörperbestimmungen im Blut (RAST). Falls nötig, können Provokationstests durchgeführt werden, bei dem das Allergen in die Nase eingebracht wird und die Symptome, aber auch das Ausmass der Nasenverstopfung gemessen werden.


Achtung Barotrauma!

Hauptproblem beim Tauchen ist das Barotrauma, welches wie beim Schnupfen durch die geschwollenen Schleimhäute verursacht wird. Gefährdet sind alle Nasennebenhöhlen inkl. Mittelohr, falls die Eustachische Röhre verlegt ist. Aus diesem Grund ist eine konsequente Therapie des Heuschnupfens für den Erhalt der Tauchtauglichkeit zwingend. Für Tauchende problematisch ist, dass Heuschnupfen im Verlauf der Zeit die Etage wechseln und sich an den Bronchien als Asthma manifestieren kann.


Therapiebasis: Auslöser vermeiden

Das Fundament der Therapie fusst auf dem Vermeiden der Allergene (so weit möglich). Sind ganzjährige Auslöser beteiligt wie eine Hausstaubmilben-Allergie oder Tierhaare, müssen Schlafzimmer saniert oder Tierkontakte (bspw. Pferde) gemieden werden. Dies kann bis zu Umschulungen bei berufsbedingtem Heuschnupfen gehen (z.B. Bäcker). Die gute Nachricht für Taucher ist, dass unter Wasser ein unmittelbarer Allergenentzug stattfindet (sofern die Atemluft nicht damit verunreinigt ist). Mit verstopfter Nase darf man aber trotzdem nicht abtauchen.


Gute Nachricht: Ferien am Meer können helfen.

Auch Ortswechsel wie bspw. Ferien am Meer oder in den Bergen helfen, Allergene zu vermeiden. So können in der Schweiz schwer Betroffene z.B. am Roten Meer völlig beschwerdefrei sein. Aber auch ein Bergseewochenende im Engadin könnte je nach Allergensensibilisierung Linderung bringen.


Eine langwierige Massnahme stellt die Desensibilisierung dar. Ihr Ziel ist die langsame Gewöhnung des Körpers an das Allergen, welches in regelmässigen Abständen meist unter die Haut gespritzt wird. Sie hilft auch, einen Etagenwechsel des Heuschnupfens auf die Bronchien und damit das Auftreten von Asthma zu verhindern.


Fundamental: konsequent abschwellende Sprays anwenden

Häufig zur Therapie eingesetzte Präparate sind Antihistaminika. Sie blockieren die entzündliche Wirkung des Allergie-auslösenden Gewebehormons Histamin und werden einmal täglich in Tablettenform oder mehrmals pro Tag als Nasenspray angewendet. Sie sind sehr wirksam gegen Niesreiz und Augenbrennen, der Effekt auf die Nasenschleimhautschwellung ist etwas weniger stark. Der Nachteil v.a. älterer Antihistaminika in Tablettenform ist das Verursachen von Müdigkeit. Leider wissen wir – wie bei allen Medikamenten! – nicht, wie sie unter Überdruckbedingungen wirken. Zu nennen sind die Gefahr eines verfrühten oder übermässigen Tiefenrausches oder einer erhöhten Sauerstofftoxizität. Beim Tauchen sollten sie deshalb eher nicht zum Einsatz kommen.


Für Tauchende gilt: Zurückhaltung bei Antihistaminika in Tablettenform

Tauchenden sehr zu empfehlen sind örtlich (topisch) angewendete Kortisonsprays. Sie haben einen sehr guten, abschwellenden Effekt auf die Nasenschleimhaut und sorgen somit für eine ausreichende Belüftung der Nasennebenhöhlen. Ihr Nachteil besteht im verzögerten Wirkeintritt, weswegen sie frühzeitig und prophylaktisch eingesetzt werden müssen. Die Wirkung moderner Cortisonpräparate beschränkt sich fast ausschließlich auf die Nasenschleimhaut. Sie werden vom Körper nicht aufgenommen, weshalb keine Nebenwirkungen im Organismus zu erwarten sind. Aus diesem Grund darf – und soll! - mit ihnen getaucht werden.


Fazit

Heuschnupfen ist sehr häufig. Da er wegen der Nasenschleimhautschwellung potenziell schwere Barotraumata auslösen kann, sollten sich Tauchende mit entsprechenden Symptomen abklären und behandeln lassen. Es ist oft möglich, mit einer günstigen Wahl des Ferienortes die auslösenden Allergene zu umgehen, das Auftreten von Heuschnupfen zu vermeiden und so problemlos zu tauchen. Falls dies nicht gelingt, soll Heuschnupfen konsequent, ja sogar vorbeugend mit Sprays behandelt werden, welche die Nasenschleimhäute abschwellen, um die Tauchtauglichkeit zu erhalten. Weil Heuschnupfen oft mit Asthma einhergeht resp. es im Laufe der Jahre dazu kommt, muss auch es konsequent gesucht und behandelt werden.

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