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  • AutorenbildMichael Mutter

Asthma und Tauchen

Nach dem letzten Wintereinbruch steht der Pollensaison nichts mehr im Wege. Davon betroffen sind auch viele Tauchende, denn gemäss Lungenliga leidet in der Schweiz jeder 14. an Asthma. Was es beim Tauchen zu beachten gilt:


Bildvorlage: Karin Aggeler

Symptome

Asthma ist gekennzeichnet durch das akute Auftreten von Entzündungen der Bronchien. Als Folge dessen ziehen sie sich zusammen und ihre Schleimhäute schwellen an. Dies führt zu einer Verengung der Atemwege. Merkmale eines Asthmaanfalles können sein:

  • Plötzliche Atemnot

  • Ein pfeifendes Ausatemgeräusch

  • Engegefühl über der Brust

  • Erstickungsgefühl

  • Rasche und oberflächliche Atmung

  • Trockener Husten oder Husten mit zähem Auswurf

 

Im Extremfall kann Sauerstoffmangel zu Zyanose (bläulichen Lippen) und Kaltschweissigkeit wegen drohendem Schock führen.


Asthma wird durch verschiedene Reize ausgelöst. Medizinisch wird zwischen intrinsischem und extrinsischem Asthma unterschieden.


Extrinsisches Asthma

Dies ist die bekannteste Asthmaform, welche bspw. durch Allergene wie Pollen, Hausstaub(-Milben), Tierhaare oder berufsbedingte Substanzen wie Mehlstaub etc. ausgelöst wird.


Intrinsisches Asthma

Unter diese Form fallen Anstrengungs- oder Sport-induziertes Asthma, Kälteasthma oder Asthma, welches durch Infekte hervorgerufen wird.


Die meisten Asthmatiker weisen eine Mischform auf. Sie reagieren auf Allergene, können aber auch in anderen Situationen wie bspw. bei einem Infekt oder beim Einatmen von kalter Luft mit einem Asthmaanfall reagieren.


Diagnose

Die Diagnose lässt sich meist bereits aus der typischen Symptomatik ableiten. Erhärtet wird sie durch Lungenfunktionsprüfungen (Spirometrie) und Allergieteste. Falls die Diagnose unsicher bleibt, können die Bronchien gezielt durch Einatmen von Reizsubstanzen provoziert werden (Bronchoprovokation), um zu messen, wie stark sie sich verengen.

Erste Säule der Prävention: Vermeiden der Auslöser

Prävention und Therapie

Asthma kann nicht geheilt, aber gut behandelt werden. Die Prävention von Anfällen fusst auf Allergenkarenz (Vermeiden der Auslöser) wie bspw. einer Sanierung des Schlafzimmers gegen Hausstaubmilben, dem Verbannen der Hauskatze bei Katzenhaarallergie oder gar einem Berufswechsel, falls Allergenkarenz am Arbeitsplatz nicht möglich ist, wie bspw. bei Bäckern.

Inhalationstherapie ist die Basisbehandlung.

Die Behandlung umfasst in erster Linie die Inhalationstherapie zur Erweiterung und Entzündungshemmung der Bronchien, wobei dafür auch Kortinson-haltige Präparate, welche nur an den Bronchien wirken, zum Einsatz kommen. Einen entsprechenden Inhalator sollen Asthmatiker zur Notfalltherapie eines Anfalles immer auf sich tragen.

Heuschnupfen und Asthma sind Geschwister auf verschiedenen Etagen.

Den kleinen Bruder des Asthmas, den Heuschnupfen, findet man eine Etage höher im Bereich der Nase und Nasennebenhöhlen, wo sich die geschwollenen Schleimhäute in den allseits bekannten Symptomen äussern. Auch Heuschnupfen wird primär mit Nasensprays behandelt, aber auch «Allergiehemmer», sogenannte Antihistaminika, können in Tablettenform zum Zuge kommen.  


Abbildung: Pathophysiologie des Asthmas beim Tauchen

Beim Einatmen werden die Atemwege gedehnt und Luft gelangt trotz Schwellung der Bronchialschleimhaut (rot) in die Alveolen (Lungenbläschen). Beim Ausatmen nimmt das Lungenvolumen ab und die Luftwege werden enger. Dies führt bei Asthma dazu, dass die eingeatmete Luft nicht oder nur noch teilweise abgeatmet werden kann. Sie bleibt in den Alveolen gefangen (Airtrapping). Die Alveolen werden überbläht. Beim Auftauchen werden die Alveolen gemäss Boyle-Mariotte-Gesetz proportional zum Abfall des Umgebungsdruckes weiter überdehnt, wenn die Luft nicht entweichen kann. Ein Pneumothorax kann die Folge sein.

 

Konsequenzen fürs Tauchen

Das Hauptproblem des Asthmas ist das Barotrauma. Wird mit verengten Bronchien getaucht, kann es zu einem ungenügenden Druckausgleich in den Lungenbläschen kommen, welche beim Auftauchen überdehnt werden. Ein Lungenbarotrauma bis hin zum Pneumothorax kann die Folge sein.

Bei einem Asthmaanfall drohen Lungenbarotrauma bis hin zum Pneumothorax.

Beim Heuschnupfen droht wegen der Schleimhautschwellung ein Barotrauma im Bereich der Nasennebenhöhlen und bei Fehlfunktion der Eustachischen Tube auch des Mittelohres.

Mit Asthma darf getaucht werden - sofern es gut kontrolliert ist.

Ist Asthma gut kontrolliert, d.h. falls keine Symptome bestehen, darf uneingeschränkt getaucht werden. Voraussetzung dafür ist, dass die Inhalationstherapie konsequent angewendet wird, nicht nur unmittelbar vor einem Tauchgang, sondern grundsätzlich. Das gleiche gilt für den Heuschnupfen. Selbstmessungen der Lungenfunktion mit dem Peakflowmeter zur Bestimmung des maximalen Ausatemflusses oder regelmässige ärztliche Nachsorgen mit Lungenfunktionsprüfungen dienen der Therapiekontrolle.

Das trockene, kalte Atemgas ist Gift für Asthmatiker.

Leider ist ausgerechnet das Tauchen selbst ein Provokationsfaktor eines Asthmaanfalls. Denn das Atemgas ist Gift für Asthmatiker, weil es kalt und trocken ist. Aus diesem Grund sollten Asthmatiker die Inhalationstherapie vor Tauchgängen grosszügig anwenden. Treten bei Asthmatikern unter Wasser auch nur leichte Symptome wie Husten und Unwohlsein beim Atmen auf, muss der Tauchgang abgebrochen werden.

Asthmatiker sollten ihren Inhalator jederzeit griffbereit haben.

Aus diesem Grund sollten von Asthma betroffene Tauchende immer ihren Inhalator zur Hand haben, auch auf einem Tauchboot. Idealerweise kennen ihre Tauchbuddies die Diagnose und wissen, wie bei einem Anfall zu handeln ist. Dieser wird mit Inhalation, im Notfall repetitiv, angegangen. Im schlimmsten Fall ist der Notruf zu alarmieren und Sauerstoff zu geben.

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