Heizbekleidung beim Tauchen: Wärme zur richtigen Zeit – und der Akku bleibt draussen

Im Winter bieten unsere Seen oft fantastische Sichtverhältnisse. Bei vier Grad Wassertemperatur wird allerdings auch der beste Unterzieher irgendwann ungemütlich. Elektrische Heizsysteme sind deshalb für viele Taucher zur selbstverständlichen Ausrüstung geworden. Doch Wärme beeinflusst mehr als unser Wohlbefinden: Sie verändert die Aufnahme und Abgabe von Inertgasen. Und ein elektrischer Defekt kann unter Wasser innerhalb von Sekunden zu einem ernsthaften Problem werden.

Ein aktueller Beitrag von Stratis Kas in InDEPTH greift diese Zusammenhänge auf. Ein bereits im Dekoblog geschilderter Unfall zeigt, wie konkret die Gefahren sein können.
Warum der Zeitpunkt der Wärme entscheidend ist
Die Durchblutung beeinflusst, wie rasch Stickstoff und Helium ins Gewebe gelangen und wieder abtransportiert werden. Wärme fördert die Durchblutung, Kälte führt vor allem in der Körperperipherie zur Gefässverengung.
Während der Grundzeit kann eine stärkere Durchblutung die Inertgasaufnahme erhöhen. Beim Aufstieg unterstützt sie hingegen die Abgabe der aufgenommenen Gase über Blut und Lunge. Besonders ungünstig ist deshalb die Kombination warm auf Tiefe, kalt während der Dekompression: Zuerst wird die Aufnahme begünstigt, anschliessend der Abtransport erschwert. Untersuchungen der US Navy unterstreichen, dass die zeitliche Abfolge der Wärmeexposition das Dekompressionsrisiko erheblich beeinflussen kann. Daraus lässt sich allerdings keine pauschale Verkürzung der Dekompressionszeit für beheizte Taucher ableiten.
Genau dieses ungünstige Muster kann entstehen, wenn die Heizung während der Grundzeit auf hoher Stufe läuft und später der Akku leer ist. Die Wärme fehlt dann ausgerechnet während der langen, bewegungsarmen Dekompression.
Die Heizung ergänzt den Kälteschutz – sie ersetzt ihn nicht
Trockenanzug und Unterbekleidung müssen so gewählt werden, dass der gesamte Tauchgang auch bei einem vollständigen Ausfall des Heizsystems sicher und ohne Unterkühlung beendet werden kann. Das schliesst sämtliche Dekompressionsstopps und einen allfälligen Rückweg aus einer Höhle oder einem Wrack ein. Massgebend ist ein Ausfall zum ungünstigsten Zeitpunkt.
Die aktive Heizung darf niemals Voraussetzung dafür sein, den geplanten Tauchgang sicher durchstehen zu können. Wer ohne funktionierende Heizung die verbleibende Dekompression nicht ohne Unterkühlung bewältigen kann, ist für diesen Tauchgang unzureichend isoliert. Dann braucht es wärmere Unterbekleidung oder einen entsprechend kürzeren Tauchgang.
Kälte beeinträchtigt unsere Handlungskompetenz
Unterkühlung ist nicht nur ein Problem der Dekompression. Sie kann uns psychomotorisch stark beeinträchtigen: Denken, Wahrnehmen und zielgerichtetes Handeln funktionieren zunehmend schlechter.
Das betrifft unmittelbar unsere taucherischen Skills: Ventile bedienen, auf einen anderen Atemregler wechseln, einen Boltsnap öffnen oder eine Boje setzen. Gut eingeübte Handgriffe werden langsamer, unpräziser oder gelingen nicht mehr zuverlässig. Gleichzeitig können Urteilsvermögen und Problemlösungsfähigkeit nachlassen. Eine sonst beherrschbare Störung kann dadurch gefährlich werden.
Auch Erfahrung und Training schützen nicht davor, dass Kälte unsere Handlungskompetenz einschränkt. Ausreichender Wärmeschutz ist deshalb Voraussetzung dafür, die eigenen Fähigkeiten unter Wasser überhaupt abrufen zu können.
Verbrennungen während eines Wintertauchganges
Im Dezember 2022 unternahm ein erfahrener, 35-jähriger Taucher mit zwei Buddies einen Nachttauchgang in einem Schweizer See. Die Wassertemperatur betrug 4 °C, die maximale Tiefe 27 Meter. Unter seinem Trockenanzug trug er einen Heizunterzieher mit angeschlossenen Heizhandschuhen. Die Stromversorgung erfolgte über einen externen Akku am Harness.
Nach etwa 30 Minuten schaltete er die Heizung ein. Innerhalb weniger Sekunden verspürte er brennende Schmerzen an beiden Schultern. Er schaltete das System sofort aus und trennte das Kabel vom Akku. Das Team brach den Tauchgang innerhalb der Nullzeit ab.
Nach dem Ausziehen zeigten sich Verbrennungen zweiten Grades mit Blasenbildung an Schultern und Oberarmen. Teile des Unterziehers waren geschmolzen.
Die forensische Untersuchung ergab einen Kabelbruch am rechten Heizhandschuh und thermische Schäden an der Zuleitung. Eine Überstromsicherung fehlte. Der Thermostat schaltete erst bei 70 °C statt der angegebenen 45 °C ab. Der Akku selbst funktionierte einwandfrei. Die Verletzungen heilten unter konservativer Behandlung vollständig ab.
Meine klare Empfehlung: Keine Akkus im Trockenanzug
Der Fall war kein Akkubrand. Er zeigt aber, wie schnell ein elektrisches Heizsystem unmittelbar am Körper gefährlich werden kann. Die externe Stromversorgung liess sich immerhin sofort trennen.
Ich rate dringend davon ab, Batterien oder Akkus innerhalb eines Trockenanzugs zu tragen. Ein überhitzender Akku im geschlossenen Anzug lässt sich unter Wasser kaum erreichen oder entfernen. Bei bestehender Dekompressionspflicht oder in einer Höhle ist zudem der direkte Weg zur Oberfläche versperrt.
Meine Konsequenz daraus: Die Stromquelle gehört nach aussen, gut erreichbar für die Möglichkeit zur Stromunterbrechung.
Kühl auf Tiefe bedeutet nicht frieren
Zurückhaltendes Heizen während der Grundzeit darf keinesfalls als Aufforderung zur Unterkühlung verstanden werden. Entscheidend ist der Zustand des Tauchers, nicht allein die Wassertemperatur auf dem Computer. Diese verrät nicht, wie gut die peripheren Gewebe durchblutet sind oder wie stark der Körper bereits ausgekühlt ist.
Während der Grundzeit genügt ein neutraler bis leicht kühler Zustand, der weder unangenehm wird noch die Handlungsfähigkeit beeinträchtigt. Beim Aufstieg und während der Dekompression soll Auskühlung vermieden werden. Falls mehr Heizleistung nötig ist, wird sie rechtzeitig und schrittweise erhöht. Erst kräftig auszukühlen und anschliessend maximal aufzuheizen ist keine gute Strategie: Rasche Erwärmung gasbeladener Gewebe kann die Blasenbildung begünstigen.
Fazit
Während der Grundzeit gerade so kühl bleiben, dass es nicht unangenehm wird – während der Dekompression sicher nicht frieren. Kälte beeinträchtigt auch unsere psychomotorischen Fähigkeiten und damit die sichere Anwendung unserer taucherischen Skills.
Die passive Isolation muss ausreichen, um den gesamten Tauchgang auch bei einem vollständigen Heizungsausfall sicher und ohne Unterkühlung zu beenden.
Und für mich gilt ganz klar: Der Akku bleibt ausserhalb des Trockenanzugs.
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