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  • AutorenbildMichael Mutter

Mikroplastik: Problem für Meer und Mensch

Kunststoffe haben zweifellos sowohl die moderne Medizin als auch das tägliche Leben bereichert, doch ihre Allgegenwart geht inzwischen mit einer Reihe von Gesundheits- und Umweltproblemen einher.



Einst wurden Kunststoffe für ihre Vielseitigkeit und Benutzerfreundlichkeit gelobt, doch heute ist erwiesen, dass sie Stoffe enthalten, die der Gesundheit von Mensch und Tier abträglich sind. Im Laufe der Jahrzehnte ist die Produktion explosionsartig angestiegen, von weniger als 2 Millionen Tonnen im Jahr 1950 auf 400 Millionen Tonnen heute, wobei Hochrechnungen eine Verdoppelung bis 2040 und eine Verdreifachung bis 2060 erwarten lassen. Dieser Produktionsanstieg hat zu einer Flut von Kunststoffabfällen geführt, die die Umwelt verschmutzen und sich in schädliche Mikroplastik- (MP, < 1 mm) und Nanoplastikpartikel (NP, < 1 um) zersetzen.


MP ist weit verbreitet, von Küstengewässern bis zur Hochsee, von der Meeresoberfläche bis zur Tiefsee und sogar in Meeressedimenten. MP stammt aus verschiedenen Quellen wie biologischem und photooxidativem Abbau, physikalischer Fragmentierung oder chemischer Abscheidung von Großplastik. Zu MP gehören auch Mikroperlen aus Körperpflegeprodukten, Kosmetika, Arzneimitteln und synthetischen Fasern aus der Herstellung von Textilien. MP wird in erster Linie durch den Menschen in die Meere eingebracht, insbesondere durch Aquakultur, Fischerei, Industrie und Abwasser. Er stellt ein erhebliches Umweltrisiko dar, da er in Zooplankton, Fische, Garnelen, Muscheln und Jäger der Nahrungskettenspitze wie Wale und Delfine gelangt.


Diese winzigen Partikel können den Verdauungstrakt der Lebewesen verstopfen, die Energieversorgung beeinträchtigen und das Wachstum hemmen.  Der Nachweis von MP in Speisefischen unterstreicht ihre Akkumulation in der Nahrungskette, die mit schädlichen Auswirkungen wie Störungen des Energiehaushaltes, Entzündungen, negativen Auswirkungen auf das Immunsystem und der Anhäufung von organischen Schadstoffen und Schwermetallen, welche von MP adsorbiert werden, in den Geweben einhergehen. Darüber hinaus können MP bei Fischen - vermutlich durch Ablagerung im Nervensystem - Verhaltensänderungen hervorrufen, die sich auf ihren Instinkt auswirken und zu Unterernährung führen.


Trotz des wachsenden Bewusstseins für die Gefahren, die von MP ausgehen, gibt es nach wie vor erhebliche Wissenslücken hinsichtlich seiner toxischen Auswirkungen auf den Menschen. Eine kürzlich im New England Journal of Medicine (NEJM) veröffentlichte Studie von Marfella et al. von der Universität Neapel wirft ein weiteres Licht auf das Vorhandensein von MP und NP im menschlichen Organismus. Sie fand MP und NP in der Plaque (Ablagerung) von 58 % der Patienten, die sich einer Karotis-Endarterektomie (Ausschälung einer verengten Halsschlagader) unterzogen. Das Vorhandensein von MP und NP korrelierte während einer Beobachtungszeit von 3 Jahren mit einem 4,5-mal höheren Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Tod sowie mit erhöhten Werten von Entzündungsmarkern.



Die Studie unterstreicht einen bedenklichen Zusammenhang zwischen Plastikverschmutzung und ungünstigen Herz-Kreislauf-Folgen. Sie legt nahe, dass Plastikpartikel neue Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen darstellen.


Dies zeigt die vielschichtige Beziehung zwischen MP und negativen kardiovaskulären Folgen und hält uns vor Augen, dass unser Organismus in ständigem Austausch mit seiner Umwelt steht. Die Allgegenwart der Kunststoffverschmutzung wird durch den Nachweis von MP im Körper fast aller Menschen (in den USA) verdeutlicht.


Insgesamt unterstreicht die Studie die Dringlichkeit zur Eindämmung der Plastikverschmutzung und zum Verständnis ihrer vielfältigen Folgen für die menschliche Gesundheit und die Umwelt.

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